Reisen

Fliegen mit Hund I Erfahrungen und Fazit 

Erstmal möchte ich mich für all die positiven und ermunternden Kommentare hier im Blog, auf Facebook und Instagram bedanken, welche wir vor Abflug erhalten haben. So viele von Euch haben mitgefiebert und an uns gedacht, das war sehr bewegend! Danke!

Auf Instagram und Facebook hatte ich bereits einige Stories und ein erstes Feedback nach dem Flug gepostet, hier gibt es nun den ausführlichen Bericht.

Als wir am Flughafen ankamen, war Lilly total entspannt. Sie kennt den Flughafen und ist beim Check-in, der mit Hund etwas länger dauert, fast eingeschlafen. Sie war wirklich sehr entspannt, selbst das Personal am Schalter war erstaunt. Das hat mich etwas beruhigt und ich hatte einen Moment in dem ich dachte ich hab mich völlig umsonst so verrückt gemacht, vor Lilly´s erstem Flug.

Check-In

Wir waren ca. 2 Stunden vor Abflug am Schalter. Lufthansa empfiehlt nicht früher als 3 Stunden und nicht später als 90 Minuten vor Abflug dort zu sein. Ich wollte mit Lilly so wenig Zeit wie möglich am Flughafen verbringen, aber auch nicht in Stress geraten. Beim Check-In-Schalter für Sondergepäck musste ich ein Formular ausfüllen und Angaben machen ob Lilly Medikamente bekommen hat, wann sie das letzte Mal gegessen und getrunken hat, meine Kontaktdaten etc. Dann wurde die Box mit Lilly gewogen und vermessen. Nach dem ich ihr Ticket bezahlt hatte (das macht man nicht im Voraus), wurde mir erklärt, das sich eine Stunde vor Abflug mit Lilly zum Sperrgepäck-Schalter muss. Wir hatten noch ein wenig Zeit und Lilly konnte noch mal an die frische Luft bevor es los ging.

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Es geht los

Am Sperrgepäck-Schalter angekommen, hatte ich erwartet, dass mir nun jemand Lilly abnimmt, das hatte ich in sämtlichen YouTube Reportagen so gesehen. War aber nicht so. Lilly musste nun in die Box und auf einen Gepäckwagen, damit ein Mitarbeiter mich und Lilly in die Gepäckhalle bringen konnte. Das war der Moment als der Stress los ging. Lilly fand es gar nicht witzig in der Box zu sein, während diese auf dem Wagen stand und bewegt wurde. Zu allem Übel mussten wir durch einen Baustellenbereich der sehr laut war. Am Flughafen Athen wird gerate umgebaut. Nur 50 Meter, aber der Lärm war zusätzlicher Stress. Lilly hat sich in der Box bewegt und ich hatte Mühe die Box davor zu bewahren vom Wagen zu fallen. Dann ging es mit einem großen Lastenaufzug nach unten, direkt in die Gepäckhalle. Dort mussten wir in einen Raum, in dem Lilly noch mal aus der Box raus musste. Zu diesem Zeitpunkt hat sie bereits am ganzen Körper gezittert vor Angst. Die Box wurde ohne Lilly durchleuchtet und dann musste Lilly wieder rein. Es war schrecklich sie so zittern so sehen und das war auch der Moment wo ich dachte ich mach das nicht. Wir fliegen nicht. Alles ging recht schnell hier unten, das Personal war zwar sehr nett und hat beruhigend auf Lilly eingeredet, aber die sind sicher auch geschult das alles schnell abzuwickeln, damit das Abschiedsrama nicht noch größer wird. Gut so, 5 Minuten mehr, ich hätte den Flug wahrscheinlich wirklich abgesagt. Bevor Lilly auf einen großen Gepäckwagen gehoben wurde, musste ich die Tür ihrer Box mit zwei Kabelbindern verschließen, was mir später noch noch zum Verhängnis wurde.

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Was passiert jetzt? 

Mir wurde gesagt, Lilly wird nun auf dem schnellsten Weg direkt zum Flugzeug gebracht. Das war nun auch mein nächster Weg, nur ohne Lilly. Nur noch 40 Minuten bis Abflug. Meine Nerven lagen blank. An der Sicherheitskontrolle wurde mir dann meine Zange abgenommen. Zange? Ja, die brauchte ich um die großen Metallschrauben zu öffnen, mit der ich Lilly´s Flugbox zusammengeschraubt hatte. Die Flugbox ist sehr groß und hat nur in zwei Teilen ins Auto gepasst. Da ich die Zange aber auch nach Ankunft in München gebraucht hätte, war das blöd. Notiz für das nächste Mal, Zange nicht ins Handgepäck. 🙂

Boarding

Beim boarding hab ich den ersten Mitarbeiter gefragt ob er bestätigen können ob mein Hund an Board ist. Ist er. Ich hab aber auch den Flugbegleiter noch mal gefragt. Er war sehr freundlich und sagte mir dass Lilly auf der Log-Liste steht, aber er auch den Pilot noch mal fragen würde. Auch der Pilot konnte mir dann bestätigen, meine Kleine ist im Flugzeug. So weit so gut.

Der Flug

Der Flug selbst war sehr ruhig und es gab keine Turbulenzen, wofür ich sehr dankbar war. 2 Stunden und 20 Minuten war ich in Gedanken bei meiner Kleinen und hab versucht mich selbst zu beruhigen. Ich konnte nun so oder so nichts mehr tun, außer meine Entscheidung überhaupt mit ihr zu fliegen in Frage zu stellen. Bringt aber auch nicht viel. Auch drei 3 Gläser Champagner helfen nicht. Aber ein Versuch war es Wert. Mein Sitznachbar hat etwas geholfen, der Hund seiner Tochter ist mal 14 Stunden geflogen und hat es gut überstanden. Er sagte, dass überhaupt die meisten Hunde das Fliegen ohne Probleme überstehen. Ok. Einatmen, Ausatmen. Alles wird gut.

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Endlich gelandet

Ich war als erste aus dem Flugzeug raus. Der Flugbegleiter sagte mir ich müsse zum Sperrgepäck-Band um Lilly in Empfang zu nehmen. Der Weg dorthin kam mir endlos vor. 2 Rolltreppen hoch, 1 runter, in die Bahn zum anderen Terminal.. völlig außer Atem kam ich endlich an aber Lilly war noch nicht da. Ein Mitarbeiter sagte mir dann, dass sie auch gar nicht hier ankommt, weil das Gepäckband heute defekt sei und zeigt mir eine nahe gelegene Tür bei der ich auf Lilly warten könnte. Ich hatte also noch ein paar Minuten um mich um eine Schere zu kümmern, denn anders würde ich die Kabelbinder nicht aufbekommen.. aber man darf mir am Flughafen keine Schere aushändigen, also ging zu Plan B über, welchen ich im Flugzeug ausgeklügelt hatte. Als zwei freundliche Mitarbeiter Lilly in ihrer Box zu mir brachten, hab ich die Kabelbinder mit einem Feuerzeug aufgeschmolzen. Ich hab dabei kein Feuer entzündet und endlich meine Kleine wieder in den Armen.

Beleidigter Hund

Ich hatte vorher zwei Szenarien im Kopf. Entweder Lilly würde schwanzwedelnd und glücklich mich zu sehen aus der Box kommen, oder beleidigt. Sie war glücklich aus der Box zu kommen, aber ihre Freude mich zu sehen hielt sich in Grenzen. Sie ist nicht dumm, sie wusste dass ich Schuld an all dem Stress hatte und das hat sie mich dann auch spüren lassen.

Meine Familie hat sie freudig begrüßt und sich während der Fahrt von München nach Ulm an eben diese gekuschelt und nicht mich. Sie hat mich für mehrere Stunden komplett ignoriert und sich von mir abgewendet.

Angekommen

Bei meinem Bruder angekommen ging das ignorieren noch so lange, bis es Zeit fürs Futter war. Ich glaube dass war der Moment als ihr einfiel, sie könne nicht ewig sauer auf mich sein, denn sie bekommt ihr Futter* von mir. Lilly´s Futter wird während unseres Deutschland-Aufenthalts von barf-alarm.de gesponsert und ihr erstes deutsches Barf-Erlebnis war Zunge mit Gemüse-Mix. Ich persönlich bin beim Zunge schneiden an meine Grenzen gestoßen, aber Lilly hatte sich die Leckerei wirklich verdient!  Dann noch eine kleine Runde um den Block und wir waren wieder Freunde. Sie lag die ganze Nacht eng an mich gekuschelt neben mir.

 

 

 

Nachwirkungen 

Ich habe Lilly den Stress vom Flug noch zwei, drei Tage angemerkt. Zudem sind die eisigen Temperaturen und praktisch alle Gerüche komplette neu für sie. Sie hat viel mehr geschlafen als sonst und es hat volle 2 Tage gedauert bis sie endlich ein Häufchen gemacht hat. Natürlich nicht irgendwo hin, sondern mitten in den Garten meiner Freundin, gleich 2 Minuten nach dem wir dort ankamen. Aber ich war froh, dass das nun wenigsten wieder funktionierte. Ich hab sie normal gefüttert und hatte schon Sorge der Hund platzt bald.

 

Bachblüten

Als ich merkte, das Lilly vom Flug mitgenommen und von all den neuen Eindrücken und Gerüchen ein wenig überfordert ist, hab ich in der Apotheke Bachblüten Walnut Tropfen geholt, die bekommt sie nun 4 Mal am Tag um ihr das Verarbeiten etwas einfacher zu machen.

Seit unserer Ankunft in Deutschland ist Lilly 24 Stunden am Tag bei mir, also hab ich sie am dritten Tag auch mit zum Abendessen zu Freunden genommen. 10 Minuten entfernt mit der Straßenbahn. Lilly ist noch nie Straßenbahn gefahren, aber ich hatte im Vorfeld keinen Grund mich zu Sorgen, dass das ein Problem für sie sein könnte. War es leider. Die Kleine hat sofort wieder das Zittern am ganzen Körper begonnen und war total verängstigt. Das war Überraschend für mich und ich kann mir das nur so erklären, dass sie die rollende Bewegung der Straßenbahn irgendwie mit dem Flug verbindet.

Am nächsten Tag haben wir uns also von meiner Mutter im Auto abholen lassen. Ich war sehr überrascht als auch das ein Problem war und sie, obwohl ich bei ihr war, wieder zu zittern begann. Meine Mutter hat einen Zweisitzer und sie musste im Fussraum rückwärts fahren, aber dass das so ein Problem für sie sein würde, hätte ich nicht gedacht. Sie ist schon häufiger so mitgefahren.

Planänderung

Eigentlich hatte ich geplant am nächsten Tag mit dem Zug nach München zu fahren. Das ist eine einstündige Fahrt und da in der Deutschen Bahn Maulkorb-Pflicht besteht, hatte ich das mit Lilly in den letzten Wochen bereits geübt. Aber wenn Lilly so Angst hat wenn sie 10 Minuten Straßenbahn fahren muss, war das Zug fahren plötzlich keine Option mehr. Ich hatte auch das Gefühl dass ein erneuter Umgebungswechsel zu früh war. Also hab ich unsere Abreise nach München um einen Tag verschoben und einen Mietwagen gemietet. Bei unserer Testfahrt in den Wald war Lilly ganz entspannt auf der Rückbank und die Welt wieder in Ordnung. Ich hatte vorher einen Schutzbezug gekauft damit alles ist wie Zuhause und natürlich auch um den Mietwagen etwas zu schonen. Auf unserer Fahrt nach München hat Lilly dann sogar im Auto geschlafen. Alles wieder gut.

Wald, Wiesen und Mäuselöcher 

Da ich die ersten zwei Tage noch kein Auto hatte, konnte ich mit Lilly erst am dritten Tag in den Wald fahren. Als ich gesehen habe wie glücklich sie den ganzen Wald durchschnüffelt hat, ihr Näschen hinter jedes Laubblatt gesteckt und auf dem offenen Felt fast Purzelbäume gemacht hat vor Freude, wusste ich jetzt ist wieder alles ok. Ich hätte ihr diese Belohnung eigentlich direkt am Tag nach dem Flug geben sollen. Ich glaube zwar dass Lilly´s erstes Mal “echte Enten sehen” am zweiten Tag, auch super war, aber die Mäuselöcher auf der Wiese sind wohl unschlagbar. Auf unserem Instagram-Account findet ihr ein kleines Video von Lilly´s erstem “Wiesen-Lauf”.

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Fazit 

Was ist nun also mein Fazit. Fliegen mit Hund. Ja oder Nein. Ich kann darauf wirklich keine pauschale Antwort geben. Es war ganz arg schlimm Lilly so verängstigt zu sehen, aber sie hat sich auch schnell wieder davon erholt. Einem Tag nach dem Flug hätte ich gesagt wir fliegen nie wieder. Heute, fast eine Woche später ziehe ich es in Erwägung dass wir nach Athen zurück fliegen. Diesmal weiss Lilly ja vielleicht was auf sie zukommt und dass sie am Ende wieder bei mir ist. Ich muss aber auch ehrlich sagen, dass ich bereits über Ideen wie mit Mietwagen nach Athen fahren, nachdenke. Fliegen mit Hund macht keinen Spaß, weder Hund noch Mensch, das steht fest.


Leseempfehlung: Betting von zuhauseaufreisen.ch hat dazu auch einen ganz tollen Erfahrungsbericht über ihren Flug von LA in die Schweiz geschrieben! Jetzt lesen.


 

 

Hier kannst Du lesen warum ich mit Lilly geflogen bin und wie Lilly und ich uns auf den Flug vorbereitet haben.

 

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